Selcuk Yula „Kurzstrecke“ Blau Weiß 90 Berlin

        

Als ich Anfang September eine Emailanfrage aus der Türkei bekam und ich gebeten worden bin, ob ich etwas zu dem Spieler Selcuk Yula erzählen könnte, standen erst einmal Fragezeichen im Raum. Selcuk Yula?

Auch wenn ich mich persönlich als doch gut wissenden Fußballfan bezeichnen würde, fehlte mir aber zu diesem Namen jegliche Information ( man möge es mir verzeihen ). Natürlich setzt man sich als Teil eines Vereines mit der Geschichte auseinander und auch mein Interesse der SpVg Blau Weiß 90 gegenüber war, dank Peter Stark, bereits vor vielen Jahren geweckt worden. Peter erzählte mir vor 13 Jahren schon sensationelle Geschichten aus der 1. und 2. Bundesliga, wie es damals war, wie sehr sich die Zeiten geändert haben und was das Team im Aufstiegsjahr ausmachte. Wahrscheinlich war es deshalb der Grund warum ich mich dann von Herrn Stark in den Bann ziehen ließ und er mich bei seinem anderen Heimatverein dem SC Union 06 als Trainer installierte.

Doch so sehr ich auch krampfhaft versuchte, ob ich den Namen Selcuk Yula nicht doch irgendwo schon einmal gehört hatte, desto schneller wurde mir klar „es ist eine Blau Weiße Wissenslücke“ die gefüllt werden musste.

Das 21. Jahrhundert macht es möglich fehlendes Wissen kurzfristig aufzufrischen. Dank Google, Dank Wikipedia. Doch die Betonung liegt hier ganz klar auf „kurzfristig“. Was konnte ich erfahren?

Selcuk Yula, geboren am 08.11.1959 in Ankara. Spieler von Fenerbahce Istanbul und  bis heute als bedeutendster Spieler der Vereinsgeschichte bezeichnet, Torschützenkönig in der türkischen Liga 81/82 und 82/83.  Meister mit Fener 1983 und 1985. 22 Spiele für die türkische Nationalmannschaft. 86/87  dann der Wechsel zu Blau Weiß 90 Berlin in die 1. Bundesliga. Nach einer Saison ging es jedoch schon wieder zurück in die Türkei, wo er noch bis 1993 erfolgreich spielte und dann seine Karriere beendete. Am 06.08.2013 verstarb Selcuk Yula, er wurde nur 54 Jahre alt.

Mir wurde damals bewusst, dass man es hier nicht mit einem XY Spieler zu tun hatte sondern mit einer Persönlichkeit, die besonders in der Türkei einen sehr hohen Stellenwert besaß. Eine Internationale Ikone sozusagen, die sich nicht nur im Fußball einen Namen machte sondern auch im politischen Bereich nicht davor zurückschrak seine Meinung zu äußern. Auch sein Wechsel zu Blau Weiß 90 war mehr als nur ein Transfer von A nach B, es war in der damaligen Zeit ein Versuch die türkischen Mitbürger in Berlin ins Stadion zu holen, ihnen einen Star aus der Heimat zu bieten und international Aufmerksamkeit zu erlangen.

Heut zu Tage „Gang und Gebe“ im Profifußball, aber für damalige Zeiten eine Seltenheit. Dennoch darf man eines nicht vergessen, Selcuk Yula war ein überragender Fußballer und das stand natürlich an der ersten Stelle bei seiner Verpflichtung 1986.

Aus der Anfrage des türkischen Journalisten, Yaris Özan, entwickelte sich also mehr als nur ein paar unbedeutende Fragen. Es wurde eine Reise in die Vergangenheit von Blau Weiß 90, die über den Tellerrand des „Fußballs“ hinausging und so war es die logische Konsequenz unseren Präsidenten Michael Meister und unseren Capitano Michael „Mike“ Schmidt, der mit Yula ’86 zusammenspielte, mit an Bord zu holen und so entstand eine tolle Zusammenführung, die schlussendlich das Geschehene, die Gegenwart, aber auch die Zukunft unseres Clubs aufzeigen sollte.

Zur Unterstützung holte ich Yusuf Cebeci heran. Ein ehemaliger Spieler von mir, mittlerweile guter Freund und bekennender Fenerbahce Fan, der als Dolmetscher fungierte. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass er sich wesentlich besser mit dem Namen Selcuk Yula auskannte als meine Wenigkeit und auch Yaris Özan fand den Weg in die Rathausstraße. Yaris war zu dieser Zeit mit dem Team aus Istanbul in München zu Gast. Grund dafür war der alljährliche Audi Cup des FC Bayern München. Doch für seine Story kam er extra aus Bayern nach Berlin gereist und vor allem eine Frage beschäftigte ihn und anscheinend auch viele Anhänger von Fenerbahce Istanbul: Warum konnte sich die ehemalige Ikone der damaligen Zeit bei unseren Blau Weißen nicht durchsetzen? War er verletzt? Kam er mit seiner Umgebung nicht klar oder war es doch nur eine mediale Geschichte in der Selcuk unfreiwillig die Hauptrolle spielte? Fragen die offen waren und im Laufe des Gespräches teilweise beantwortet werden konnten.

 

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Teil 2 folgt in Kürze…