18. Oktober 2026

Vor 40 Jahren: Blau-Weiß 90 trotzt dem FC Bayern ein 1:1 ab!

Blau-Weiß 90 Berlin – FC Bayern München 1:1 (0:1) | Samstag, 18. Oktober 1986

Ein unvergesslicher Fußballnachmittag im Berliner Olympiastadion: 43.710 Zuschauer, ein leidenschaftlich kämpfender Aufsteiger und ein Freistoßtor fünf Minuten vor Schluss, das bis heute in Erinnerung geblieben ist.

David gegen Goliath im Olympiastadion

Am 11. Spieltag der Bundesliga-Saison 1986/87 empfing Blau-Weiß 90 Berlin den FC Bayern München. Die Ausgangslage hätte kaum unterschiedlicher sein können: Hier der Aufsteiger aus Mariendorf, Tabellenletzter und mitten im Abstiegskampf – dort der amtierende Deutsche Meister und souveräne Tabellenführer aus München.

Pflichtspiele zwischen beiden Vereinen hatte es bis dahin noch nicht gegeben. Lediglich ein Testspiel aus dem Jahr 1939, das torlos endete, stand in den Annalen. Damals hatte Blau-Weiß 90 eine Woche vor einem wichtigen Pokalspiel, das mit einem 2:1 bei Union Oberschöneweide gewonnen wurde, gegen die Bayern gespielt. Lang, lang ist’s her!

Früher Rückstand – aber Blau-Weiß gibt nicht auf

Für Blau-Weiß 90 gab es an diesem Oktobertag gleich zwei personelle Neuigkeiten: Neuzugang René Vandereycken, ein international erfahrener Belgier, verstärkte die Mannschaft, während Dirk Schlegel endlich sein Bundesliga-Debüt feiern durfte. Kapitän Peter Stark musste verletzungsbedingt passen.

Auch die Bayern waren nicht in Bestbesetzung angereist. Lothar Matthäus fehlte aufgrund seiner vierten Gelben Karte, Hansi Pflügler verletzungsbedingt.

Doch kaum hatte die Partie begonnen, lagen die Berliner bereits zurück. Nach gerade einmal zwei Minuten traf Klaus Augenthaler per Freistoß zum 0:1. Ein denkbar schlechter Start für den Außenseiter!

Wer nun allerdings einen einseitigen Nachmittag erwartet hatte, sollte sich gewaltig täuschen. Blau-Weiß 90 ließ sich vom frühen Rückstand nicht beeindrucken, hielt mutig dagegen und entwickelte einen offenen Schlagabtausch mit dem großen Favoriten. Dabei erspielten sich die Mariendorfer sogar die besseren Torchancen.

Von den Rängen kam mächtig Unterstützung. Die Berliner Fans peitschten ihre Mannschaft unermüdlich nach vorne. Der Schlachtruf „Zieht den Bayern die Lederhosen aus!“ hallte durch das Olympiastadion – und das über die gesamten 90 Minuten. Von den mitgereisten Bayern-Anhängern war dagegen vergleichsweise wenig zu hören.

Horst Feilzer lässt das Olympiastadion beben!

Die leidenschaftliche Vorstellung der Blau-Weißen sollte schließlich belohnt werden. Fünf Minuten vor dem Abpfiff trat Horst Feilzer zum Freistoß an und versenkte den Ball direkt im Münchner Tor. 1:1!

Der Jubel unter den 43.710 Zuschauern war riesig. Der Tabellenletzte hatte dem Deutschen Meister nicht nur Paroli geboten, sondern sich den Ausgleich redlich verdient.

Und beinahe wäre sogar noch mehr drin gewesen: In der 90. Minute verhinderte Bayerns Torhüter Jean-Marie Pfaff mit einer Glanzparade den möglichen Siegtreffer der Berliner. So blieb es beim 1:1 – einem Ergebnis, das sich für Blau-Weiß 90 wie ein kleiner Sieg anfühlte.

Ein Belgier mit großer Vergangenheit

Besondere Aufmerksamkeit galt an diesem Tag auch René Vandereycken. Der Neuzugang fügte sich sofort in die Mannschaft ein und übernahm die Rolle des Denkers und Lenkers im Blau-Weiß-Spiel. Mit seiner Erfahrung aus Welt- und Europameisterschaft sowie dem Europapokal brachte der 33-jährige Belgier reichlich internationale Klasse nach Mariendorf.

Nach dem Spiel durfte Vandereycken im TV-Interview die Partie analysieren. Dabei konnte er auf eine bemerkenswerte Vergangenheit zurückblicken: Mit dem RSC Anderlecht hatte er die Bayern einst im Europapokal ausgeschaltet.

Auch Lothar Matthäus zeigte sich nach dem Abpfiff beeindruckt. Im Interview attestierte er Blau-Weiß 90, dass bis dahin keine Mannschaft die Bayern so gefordert habe wie die Berliner.

Ein bemerkenswertes Lob für einen Aufsteiger, der am Tabellenende stand und an diesem Nachmittag doch auf Augenhöhe mit dem großen Favoriten gespielt hatte!

Nach dem Abpfiff war noch lange nicht Schluss

Die 90 Minuten im Olympiastadion waren auch für die Fans ein echtes Erlebnis. Die Berliner hatten ihre Mannschaft lautstark unterstützt – und meine Wenigkeit war nach dem Schlusspfiff ebenfalls „etwas“ heiser.

Anschließend ging es natürlich noch in die damalige Fankneipe in der Pestalozzistraße, zu Micha. Dort flossen das Bier und der rote Rogoschin in Strömen, während der außergewöhnliche Fußballnachmittag noch einmal ausgiebig besprochen wurde.

Ein Spiel für die Ewigkeit

Rückblickend gehört dieses 1:1 vom 18. Oktober 1986 für mich zu den besten Spielen, die ich während der Bundesliga-Jahre von Blau-Weiß 90 erlebt habe.

Ein früher Rückstand, eine leidenschaftliche Mannschaftsleistung, ein Traumfreistoß von Horst Feilzer und ein möglicher Sieg, den Jean-Marie Pfaff in letzter Sekunde verhinderte – all das machte diesen Nachmittag zu etwas ganz Besonderem.

Unvergessen – Blau-Weiß 90!

Andreas Thome

Auf YouTube gibt es auch bewegte Bilder von dem Spiel!

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