3. September 2026

Be(Rausch)ender Abend am Heckerdamm!

Bericht von Alexander Peter (Fan-Initiative BW 90)

Die Freitagabendspiele haben bekanntlich etwas besonderes und darum war es klar, dass ich mir diese Partie nicht entgehen lassen konnte, zumal der Ground für mich auch Neuland bedeutete.

Der Freitag begann mit wechselndem Wetter, bewölkt und ab und zu fiel auch der ein oder andere Regentropfen vom Himmel. Das alles sorgte noch nicht für die erhoffte Wochenendeuphorie, doch das sollte sich alles ändern. Auf dem Weg zum Ground wurden die äußeren Bedingungen immer besser. Die Wolken verzogen sich, die Temperatur stieg und zum Spielende konnte man fast von einer tropischen Nacht sprechen. Zusammengefasst, das Thermometer stieg ähnlich wie der Blutdruck der BW-Fans in ungeahnte Höhe.
 
Beim Eintreffen auf den Türkspor-Platz sah ich gleich Marco und Andi und letzterer bat mich darum, wieder was zu Papier zu bringen; hiermit erledigt, lieber Andi.
 
Zum Spiel:
Da beide Mannschaften über eine hohe Anzahl an höherklassigen Spieler verfügen, war jedem klar, dass es ein Spiel auf hohem Niveau geben kann. Bei BW musste Rausch wieder mal die 9 verkörpern und der klassische 6er Kaiser blieb, wie auch in den Spielen zuvor, auf der Bank.
 
Zum Beginn der Partie stelle sich für den BW-Anhang die Frage, ob der Zeugwart wieder den Alt-Herrenkoffer rausgekramt hat oder ob diesmal der Koffer eingepackt wurde, auf dem Laufbereitschaft, Wille, Mut und alles Geben oben steht. Auf den älteren Kofferinhalt aus dem Spiel gegen Inter, hatte keiner Lust, zumal der Inhalt mit „lass uns abwarten“, „lass die anderen Rennen“, „wir machen das mit Auge und Erfahrung“, „irgendwie bringen wir den Vorsprung über die Zeit“ usw. oft in die Hose geht.
 
Von Beginn an entwickelte sich ein Schlagabtausch der ca. bis zur 30 Min. ging, wo beide Teams mit offenem Visier agierten und es für beide nur eine Richtung gab: gegnerisches Tor. Hierbei hatte BW die besseren Chancen, die aber nicht genutzt wurden oder aber vom Türkspor-Keeper vereitelt wurden.

Somit war die Frage geklärt, welcher Koffer bzw. Inhalt heute benutzt wurde. Griffigkeit, Willen, Einsatz und Mut waren nun an der Tagesordnung. Zwischenzeitlich gab es einen berechtigten Elfmeter für Türkspor, wobei der Schütze meinen Wunsch nachkam und der Ball den Pfosten beglückte. Spätestens jetzt war allen älteren BW-Fans und davon gibt es einige, klar, dass hier heute eine Menge gehen kann.

Wir erahnten mit zunehmender Spieldauer, dass hier was in der Luft liegt, ohne es zu sehen, ohne es zu schmecken, ohne es anfassen zu können, egal, es ist einfach da. Und so steigerte sich von Minute zu Minute die Anspannung und die machte sich u. a. bemerkbar, dass bei
jeder Schiedsrichterentscheidung, die auch nur den Hauch von einer BW-Benachteiligung vermuten ließ, die Volksseele zum Kochen brachte.

Die erste Halbzeit neigte sich langsam dem Ende entgegen und Türkspor wurde immer besser. Sie hielten jetzt länger den Ball in den eigenen Reihen und nutzten die ganze Breite des Platzes. So waren wir dann froh, dass der Unparteiische zur Halbzeit blies und wir das gesehene verarbeiten konnten. In der Halbzeitpause kam dann das oben beschriebene Gefühl wieder verstärkt zurück. Ja, hier geht was heute, dass kann ein ganz besonderer Abend werden usw.
 
Die zweite Halbzeit begann ähnlich wie die Erste. BW nahm gleich wieder das Zepter in die Hand und Rausch hatte gleich eine fette Gelegenheit. Leider war der Pass von Darryl etwas zu ungenau, so dass Rauschi nicht in der optimalen Schuss-Position war und den Ball über den Kasten donnerte.

Egal, wir waren wieder im Spiel und die Stimmung stieg minütlich. Dann kam die Szene, die alle BW-Fans in völlige Ektase verfallen ließ. Ein Angriff, der von Darryl auf unserer halblinken Seite vorgetragen wurde, hatte es in sich. Darryl befand sich ca. 10 m vor der Grundlinie und sah auf der gegenüberliegende Seite Efe Richtung Grundline mitlaufen. Dazwischen waren natürlich noch einige Türkspor-Spieler, die es galt zu überspielen. Eine butterweiche Flanke, wie eine Daunen-Feder, die sich unbemerkt aus den Kopfkissen geschlichen hat, die sanft durch die Luft schwebt, kam der Ball präzise zu Efe, der wiederum das Kunststück fertigbringen musste, den Ball direkt in die gegensätzliche Richtung zu spielen. Kurz vor der Grundlinie nahm er dann das Gerät direkt und spielte dieses zum nachrückenden Rausch. Der nahm das Teil wiederum direkt aus ca. 10 m und hämmerte den Ball über den Kopf des guten Torhüters in die Maschen. Das Netzt zappelte dermaßen, als wenn sich dort ein Hai verfangen hätte und wieder raus wollte.

Ein Treffer, ein Spielzug wie ein Gemälde, wie eine Südtiroler Landschaft im Spätsommer oder einfach SENSATIONELL!
 
Im weiteren Verlauf der Partie ging das Zittern wieder los, ähnlich wie in der ersten Hälfte. Jegliche halbwegs geglückte Aktionen der BW-Spieler wurde bejubelt, als ob es heute schon um einen Titel gehen würde. So verrann die Zeit und Türkspor agierte meist mit hohen Bällen, die wiederum selten Gefahr entwickelten. Am Ende zitterten wir uns gemeinsam zum Sieg und dieser wurde ausgiebig von allen Anwesenden gefeiert.
 
Einen bemerkenswerten Moment gab es nach dem Spiel, als ich den Türkspor-Nachwuchs beobachtete, wie diese den Müll auf den Tribünen
entfernten bzw. sammelten, nachdem Sie beim Spiel noch lautstark ihr Team supporteten. Erwähnenswert war auch, dass die Caterer uns nach dem Spiel die Köstlichkeiten vom Grill kostenlos anboten, wie auch den übrig gebliebenen Kaffee. Auch der Präsident von Türkspor ließ sich nicht lumpen und führte mit uns ein längeres Gespräch auf Augenhöhe.

Zusammengefasst: nette Gastgeber, die alles dafür taten, einen guten Eindruck zu hinterlassen, vom Nachwuchskicker bis zum Präsi.
 
Nachdem wir den Heckerdamm euphorisch verließen, kam die spontane Idee auf, die Gaststätte „Zum Hecht“ zu besuchen. Diese besuchte ich vor einigen Jahren, nachdem wir das Spiel gegen TeBe verloren hatten. An diesem Abend verloren wir nicht nur das Spiel, sondern ich im Hecht auch meinen Hai-Kopf vom Kostüm. Nun überlegte ich, wie sinnvoll es wäre, im Hecht nach meinen Hai-Kopf zu fragen. Wir beließen es bei einem gut gekühlten Getränk und fuhren mit einer großen Portion Glücksgefühlen nach Hause.
 
Am Ende möchte ich noch kurz einen Mensah-Effekt ansprechen, den man in Zukunft sicher vermehrt bei BW-Spielen erleben darf. Dazu aber demnächst mehr…

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