9. März 2026

1. Herren: 1-3 Niederlage im Spitzenspiel gegen die Füchse!

Wenn Engel fallen 2.0

Spielbericht von Alexander Peter (Faninitiative BW 90)

Am Samstag kam unser Angstgegner aus Reinickendorf zu Besuch. In dieser Saison sind die Füchse besonders erfolgreich, wenn sie ihren Bau verlassen – eigentlich Warnung genug. Zumal ihr bissigster Fuchs bekanntlich auch samstags auf Jagd geht.

Bei bestem Fußballwetter und mit frisch installierter Musikanlage stieg die Vorfreude mit jedem abgespielten Song. Eines kann man jetzt schon sagen: Die Besucher auf dem Tempelhofer Feld kommen künftig in den Genuss ordentlicher Musik – vorausgesetzt, der Wind spielt mit und trägt die Klänge nicht Richtung Brandenburg davon.

Zum Berlinliga-Spitzenspiel fanden sich rund 180 Zuschauer ein: internationale Gäste, Studenten, ehemalige Spieler, der harte Kern der BW-Fans – und natürlich auch ein paar Füchse aus Reinickendorf, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollten.

BW begann druckvoll – und das mit sofortiger Wirkung. Nachdem ein Schuss von Rausch beide Pfosten küsste, fiel kurze Zeit später das verdiente 1:0. Leider war das auch schon so ziemlich der Höhepunkt der ersten Hälfte aus BW-Sicht. Danach verflachte das Spiel merklich: Die Füchse stabilisierten sich hinten, während unsere Defensive zunehmend in Bedrängnis geriet. Die Folge ließ nicht lange auf sich warten – die Gäste kombinierten sich durch und stellten auf 1:1. Ein Treffer, der eher nach kollektiver Einladung als nach großer Offensivkunst aussah.

Knapp zehn Minuten später folgte der Moment, der das Spiel endgültig in eine andere Richtung lenkte. Schiedsrichterin Franzi K., ohnehin schon im Vorfeld der Partie mit kritischem Blick bedacht – nicht zuletzt wegen des Pokalspiels gegen L47 –, rückte nun endgültig ins Rampenlicht. Nach einem eher unspektakulären Kontakt im Strafraum pfiff sie mit deutlicher Verzögerung Elfmeter. Fifty-Fifty? Vielleicht. Aus meiner Position schwer zu beurteilen. Aus Sicht vieler BW-Fans allerdings ein klarer Fall von: „Nicht schon wieder.“

Für die ohnehin schon strapazierte BW-Volkskehle brachte dieser Pfiff das Fass zum Überlaufen. Der Schiedsrichterin war die Rolle der Hauptdarstellerin plötzlich sicher. Während die Fans ihren Schuldigen gefunden hatten, fehlte auf dem Platz leider die passende Antwort. Offensiv ging wenig zusammen, und bis zur Pause kam von BW kaum noch ein Lebenszeichen.

Nach dem Seitenwechsel wurde es nicht wirklich besser. Beim letzten Pass fehlte weiterhin die Präzision, und hohe Bälle auf die Neun sind ohne Brömer sicher nicht die beste Wahl. Unser Unterschiedsspieler kam zwar später von der Bank, konnte dem Spiel aber ebenfalls keinen entscheidenden Stempel mehr aufdrücken.

Kurz vor der Stundenmarke wurde es dann endgültig turbulent. Die Füchse nutzten erneut eine BW-Fehlerkette – und Fabi E. sah erst Gelb und Sekunden später Gelb-Rot. Damit war die Volksseele endgültig auf Betriebstemperatur. Bei einigen Fans waren die Sicherungen extrem überlastet, und bei dem einen oder anderen hielt sie der hohen Anspannung nicht stand.

Der absolute Höhepunkt folgte allerdings direkt danach: Papa E. kassierte ebenfalls Rot – als Zuschauer. Spieler runter, Vater hinterher. Ein Doppelpack der etwas anderen Art und für viele ein echtes Novum: Platzverweis für Spieler und Fan in Personalunion. Beide mussten die Anlage verlassen, während sich die Gemüter langsam wieder abkühlten.

Eine weitere Nachricht erschütterte den blau-weißen Anhang mitten in der zweiten Hälfte: Es hieß, dass das letzte Fass nun angestochen werde – und ich sah die Panik in den Augen einiger durstiger Anhänger.

Nach dieser doppelten Roten war der Drops im Grunde gelutscht. Die Füchse spielten die Partie routiniert herunter, während BW in den letzten 30 Minuten nur noch einmal ernsthaft vor dem gegnerischen Tor auftauchte.

Am Ende gewann die spielerisch reifere Mannschaft verdient zum dritten Mal in dieser Saison – und zum dritten Mal traf der schlauste Fuchs doppelt.

Nach Abpfiff wurde gemeinsam das letzte Fass geleert. Beim Besuch auf dem Klo bekam ich noch zwei, drei Schmährufe bezüglich Hertha um die Ohren gehauen, verbunden mit der Frage:

„Na Alex, das müsste dir als Schalker doch gefallen.“
Ich überlegte einen Moment und sagte:
„Eigentlich ja – aber meine Oma hieß auch Hertha.“
Und so bleibt die Erkenntnis des Tages:
Wenn Engel fallen, dann manchmal ziemlich tief.

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